ESD-Bodensanierung
Den ESD-Boden sanieren, statt ihn zu ersetzen
Ein Boden verliert seine Ableitfähigkeit über Jahre, in den Hauptlaufwegen zuerst. Bemerkt wird es meist erst, wenn jemand nachmisst.
Zum FachbeitragDer Boden ist die größte zusammenhängende Fläche einer EPA und zugleich die am stärksten beanspruchte. Über ihn laufen Menschen, rollen Hubwagen, stehen Maschinen. Eine Tischmatte wird getauscht, wenn sie durch ist. Ein Hallenboden nicht.
Irgendwann steht deshalb in jeder Fertigung dieselbe Frage an: reicht eine Sanierung der vorhandenen Fläche, oder muss der Belag heraus?
Der technische Hintergrund
Warum ableitfähige Böden ihre Wirkung verlieren
Ein ableitfähiger Boden führt Ladung ab, weil sein Material das kann und weil eine Verbindung zur Erdung besteht. Beides ist an die Substanz der Oberfläche gebunden. Wird diese Oberfläche abgetragen, geht die Eigenschaft mit ihr.
Abgetragen wird sie überall dort, wo Bewegung stattfindet. Rollen von Hubwagen und Stühlen, Schuhsohlen, Sand und Späne, die als Schleifmittel wirken. Das Ergebnis sind keine Löcher, sondern Zonen: Der Boden vor einer Maschine sieht nach zwei Jahren anders aus als der Boden zwei Meter daneben.
Dazu kommt, was von oben aufgetragen wird. Pflegemittel, Wachs und Reiniger mit Schutzfilm hinterlassen eine Schicht, die den Stromfluss behindert. Sie entsteht langsam, mit jeder Reinigung eine Lage mehr, und sie liegt genau dort am dichtesten, wo am wenigsten gelaufen wird.
Beide Vorgänge laufen still ab. Der Ableitwiderstand steigt, ohne dass sich im Betrieb etwas ändert. Auffällig wird es erst bei der Wiederholungsmessung, die nach IEC 61340-5-1:2016 ohnehin zum Kontrollprogramm gehört, oder im Audit.
Der Befund
Erst messen, dann entscheiden
Vor jeder Entscheidung über den Boden steht ein Befund, und der besteht aus Messwerten. Gemessen wird der Widerstand gegen die Erdung und der Widerstand zwischen Punkten auf der Fläche, mit einem Widerstandsmessgerät und Elektroden, die für Bodenprüfungen vorgesehen sind.
Wichtiger als das Gerät ist die Auswahl der Punkte. Wer nur dort misst, wo der Boden gut aussieht, bekommt ein gutes Ergebnis. Aussagekräftig wird die Messung, wenn sie die belasteten Zonen einschließt: Hauptlaufwege, Flächen vor Maschinen, Bereiche unter Rollcontainern, dazu Randzonen als Vergleich.
Der Befund trennt außerdem zwei Ursachen, die sich äußerlich gleichen. Liegt eine isolierende Schicht auf dem Boden, ändert eine Grundreinigung die Werte. Ist die ableitfähige Substanz abgetragen, ändert sie nichts. Eine Messung vor und nach einer Grundreinigung beantwortet diese Frage, bevor Geld in die falsche Maßnahme fließt.
Aus derselben Reihe entsteht der zweite Nutzen: Wer dieselben Punkte über Jahre protokolliert, erkennt den Anstieg früh und kann die Sanierung planen, statt sie unter Termindruck zu vergeben.
Die Entscheidung
Sanieren oder neu verlegen
Beide Wege führen zu einer normgerechten Fläche. Sie unterscheiden sich darin, was sie vom Untergrund verlangen und was sie den laufenden Betrieb kosten.
Sanierung
Neuverlegung
Voraussetzung am Untergrund
Sanierung
Der vorhandene Belag bleibt liegen. Er muss fest haften, eben und trocken sein, damit die Beschichtung darauf trägt.
Neuverlegung
Der Altbelag kommt heraus. Der freigelegte Estrich wird geprüft und, wo nötig, ausgeglichen und grundiert.
Eingriff in den Betrieb
Sanierung
Abschnittsweise möglich. Gearbeitet wird auf einer Teilfläche, der Rest der Halle bleibt in Produktion.
Neuverlegung
Die Fläche fällt zusammenhängend aus. Ausbau, Untergrundarbeiten und Verlegung folgen aufeinander.
Aufwand
Sanierung
Vorbereitung und Grundreinigung binden Zeit. Ausbau und Entsorgung des alten Belags entfallen.
Neuverlegung
Ausbau, Entsorgung und Untergrundaufbereitung kommen zum Belag hinzu und bestimmen den Aufwand mit.
Nachweis der Ableitfähigkeit
Sanierung
Messung nach Abschluss der Arbeiten. Das Protokoll ist der neue Ausgangswert für die Wiederholungsmessungen.
Neuverlegung
Messung nach der Verlegung, üblicherweise zusammen mit der Zertifizierung des neuen Bodens.
Wann dieser Weg trägt
Sanierung
Der Boden ist im Kern in Ordnung und an der Oberfläche verschlissen. Die Nutzung der Fläche bleibt, wie sie ist.
Neuverlegung
Der Untergrund ist geschädigt, der Belag löst sich, es steht Feuchtigkeit im Estrich, oder die Fläche wird künftig anders genutzt.
In der Mehrzahl der Fälle ist der Untergrund tragfähig und nur die oberste Lage verschlissen. Dann ist die Sanierung der kleinere Eingriff, weil Ausbau und Entsorgung entfallen und die Fläche in Abschnitten bearbeitet werden kann.
Welche Variante im konkreten Objekt trägt, zeigt die Begutachtung mit Messung. Die Übersicht zur Sanierung ableitfähiger Böden beschreibt den Leistungsumfang und den Weg zur Begutachtung.
Fünf Schritte
Wie eine ESD-Bodenbeschichtung aufgebaut ist
Eine Sanierung ersetzt den Boden nicht, sie baut auf ihm auf. ESD-PROFLOOR arbeitet dafür mit dem ESD-FLOOR-SYSTEM von Dr. Schutz, einem Beschichtungssystem aus mehreren aufeinander abgestimmten Lagen.
01
Vorbereitung der Fläche
Die Halle wird geräumt, Randbereiche und Anschlüsse werden abgesetzt. Der Untergrund wird so vorbereitet, dass die erste Schicht Halt findet.
02
Grundreinigung des Bodens
Alte Pflegefilme, Wachse und eingetragene Fette kommen herunter. Was hier liegen bleibt, liegt danach unter der Beschichtung.
03
Auftragen des ESD Base-Coat
Die ableitfähige Grundschicht. Sie stellt die Eigenschaft wieder her, um die es bei der ganzen Maßnahme geht.
04
Lack, transparent oder farbig
Transparent lässt den vorhandenen Boden sichtbar. Farbig vereinheitlicht das Bild der Halle und macht Zonen unterscheidbar.
05
Versiegelung mit ESD Top-Coat
Die oberste Lage schließt den Aufbau ab und bildet die Fläche, die später befahren und gereinigt wird.
ESD Top-Coat
Versiegelung
Lack, transparent oder farbig
Aussehen der Fläche
ESD Base-Coat
ableitfähige Grundschicht
Vorbereiteter Altbelag
bleibt liegen
Der Aufbau erklärt, warum eine Sanierung ohne Ausbau auskommt. Der alte Belag wird nicht ersetzt, sondern zum Untergrund für die neue Fläche.
Wie viele Lagen im Einzelfall nötig sind, welches Produkt darin steckt und wie die Fläche an die Erdung angebunden wird, legt die Begutachtung fest. Diese Angaben gehören in die Planung und später ins Abnahmeprotokoll.
Vor der Begutachtung
01
Was auf der Fläche passiert
Stapler, Rollcontainer, Punktlasten von Maschinen. Die Beanspruchung entscheidet mit, welcher Aufbau trägt.
02
Wo bisher gemessen wurde
Alte Protokolle und die Lage der Messpunkte heraussuchen. Ohne Vorwerte fehlt der Vergleich.
03
Womit gereinigt wird
Produkt und Dosierung des Reinigungsdienstes. Ein Pflegefilm auf der Fläche gehört zum Befund.
04
Wann die Halle frei ist
Schichtbetrieb, Stillstandsfenster, Abschnitte. Daraus entsteht die Terminplanung.
Nach den Arbeiten
Abnahme und Erhalt
Fertig ist eine sanierte Fläche mit dem Messprotokoll, nicht mit der letzten Lage. Erst die Messung nach Abschluss der Arbeiten belegt, dass die Fläche ableitfähig ist, und sie liefert zugleich den Ausgangswert, gegen den später verglichen wird.
Damit dieser Vergleich funktioniert, gehören die Messpunkte in einen Lageplan. Punkte, die niemand wiederfindet, erzeugen bei der nächsten Prüfung neue Zahlen statt einer Reihe.
Was danach über die Fläche geht, entscheidet über ihre Lebensdauer. Reiniger mit Pflegefilm, Wachs oder Glanzzusatz bauen genau die Schicht wieder auf, die gerade entfernt wurde. Geeignet sind Produkte, die für ableitfähige Oberflächen freigegeben sind und rückstandsfrei abtrocknen. Produkt, Dosierung und Intervall gehören schriftlich in den Reinigungsvertrag.
Für die Wiederholungsmessungen im laufenden Betrieb braucht es kein Labor. Ein Widerstandsmessgerät mit passenden Elektroden reicht, wenn immer gleich gemessen wird. Eine Auswahl steht unter Messtechnik für Ableit- und Durchgangswiderstände.
Kurz beantwortet
Häufige Fragen
01Lässt sich ein vorhandener Boden nachträglich ableitfähig machen?
In vielen Fällen ja. Eine ESD-Beschichtung wird auf den vorbereiteten Untergrund aufgebaut und über eine leitfähige Schicht an die Erdung angebunden. Der alte Belag bleibt liegen.
Ob es im Einzelfall trägt, entscheidet der Untergrund. Ein fester, ebener und trockener Boden ist die Voraussetzung. Löst sich der Altbelag, steht Feuchtigkeit im Estrich oder ist die Oberfläche stark zerstört, hilft keine Beschichtung. Das klärt die Begutachtung vor Ort, nicht der Katalog.
02Woran erkenne ich, dass ein ESD-Boden sanierungsbedürftig ist?
Die sichtbaren Anzeichen sind Laufstraßen in den Hauptwegen, Kratzspuren von Rollen und Paletten, matte oder verfärbte Stellen und eine Oberfläche, die sich stellenweise anders anfühlt als beim Rest der Fläche.
Belastbar wird die Einschätzung erst durch die Messung. Sichtbarer Verschleiß und gemessener Ableitwiderstand hängen nur lose zusammen. Es gibt gut aussehende Böden mit zu hohen Werten und unansehnliche Böden, die messtechnisch in Ordnung sind.
03Was kostet eine ESD-Bodensanierung?
Das lässt sich nicht pauschal angeben. Der Aufwand hängt an der Fläche, am Zustand des Untergrunds, an der nötigen Vorbereitung und daran, ob transparent oder farbig beschichtet wird.
Der übliche Weg ist eine Begutachtung mit Messung, aus der ein Angebot für das konkrete Objekt entsteht. Als Größenordnung gilt, dass eine Sanierung deutlich unter dem Aufwand für einen neuen Belag liegt, weil Ausbau und Entsorgung des Altbodens entfallen.
04Wie lange steht die Produktion still?
Eine Beschichtung wird in Abschnitten ausgeführt. Gearbeitet wird auf einer Teilfläche, während der Rest der Halle weiterläuft, und der Abschnitt wechselt, sobald die Fläche wieder begehbar ist.
Wie groß ein Abschnitt sinnvollerweise ist und wie lange er gesperrt bleibt, ergibt sich aus dem Schichtaufbau und den Trocknungszeiten des eingesetzten Systems. Diese Angaben gehören in die Terminplanung und kommen aus der Begutachtung.
05Reicht es, den Boden gründlich zu reinigen?
Manchmal ja. Wenn Pflegemittel oder Wachs über Jahre einen isolierenden Film aufgebaut haben, liegt die Ursache in der Reinigung, und eine Grundreinigung stellt die Werte wieder her.
Ist dagegen die leitfähige Schicht selbst abgetragen, ändert Reinigen nichts. Das Material, das die Ladung führen soll, ist dann an den belasteten Stellen nicht mehr vorhanden. Welcher der beiden Fälle vorliegt, zeigt eine Messung nach der Grundreinigung.
06Muss der Boden nach der Sanierung erneut gemessen werden?
Ja. Eine Fläche gilt erst dann als ableitfähig, wenn es dafür ein Messprotokoll gibt. Gemessen wird gegen die Erdung und zwischen Punkten auf der Fläche, an festgelegten und wiederauffindbaren Stellen.
Dieses Protokoll ist zugleich der neue Ausgangswert. Die späteren Wiederholungsmessungen im laufenden Betrieb werden dagegen verglichen, und erst dieser Verlauf zeigt, ob die Fläche hält.
07Wie wird der Boden nach der Sanierung gereinigt?
Mit einem Reiniger, der für ableitfähige Oberflächen freigegeben ist und keinen Pflegefilm hinterlässt. Alles, was Glanz oder Schutzschicht verspricht, arbeitet gegen die gerade wiederhergestellte Leitfähigkeit.
Sinnvoll ist, Produkt, Dosierung und Intervall gleich nach der Abnahme schriftlich festzulegen und dem Reinigungsdienst zu übergeben. Ohne diese Festlegung entscheidet dessen Einkauf über die Normkonformität der Fläche.
Der nächste Schritt kostet eine halbe Stunde: an drei belasteten Stellen der Halle messen und die Werte mit dem Protokoll aus dem Jahr der Verlegung vergleichen. Liegen sie deutlich darüber, ist eine Begutachtung fällig.
Fragen zur Bodensanierung beantwortet das Team von ESD-PROFLOOR am Telefon.
(0 26 89) 92 870-0